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Geschichte

 

Die Erlöserkirche in Amberg

Die Erlöserkirche in Amberg wurde am 16. September 1967 als damals jüngste evangelische Kirche in Amberg nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht.

Viele Gemeindeglieder und Gäste haben sich dieses besondere Ereignis nicht nehmen lassen. 

Am 11. April 1966 war der Beginn der Bauarbeiten. Am 4. September 1966 erfolgte die Grundsteinlegung. Auch diese fand ein außerordentlich hohes Interesse.

Schon deswegen, weil viele den ersten Pfarrer der Erlöserkirche, Dr. Alfred Eckert, der am 1. September seinen Dienst angetreten hatte, kennen lernen wollten.

Die Gemeinde der Erlöserkirche ist eine Ausgründung aus der Paulanerkirche. Sie wurde, wie die Urkunde zur Grundsteinlegung beschreibt, aus drei Gründen erforderlich:

 

1) Stetes Wachstum der Stadt in östlicher Richtung und starke Besiedlung der dortigen Wohngebiete mit evangelischen Familien;

 

2) Schaffung einer überschaubaren Gemeinde zum Zwecke einer Intensivierung der Seelsorge;

 

3) Hebung der Freude am Gottesdienstbesuch und Beteiligung am kirchlichen Leben durch Abkürzung der Wegstrecke zum Gotteshaus.

 

Zwölf Jahre hat es gedauert, bis der lang gehegte Wunsch treuer Gemeindekreise seine Erfüllung fand. Denn schon am 17. Dezember 1955 hat der Kirchenvorstand der Paulanerkirche den Beschluss zur Ausgründung gefasst und auch den Namen der neuen Kirchengemeinde festgelegt: Erlöserkirche. Viele Jahre hat die Gemeinde die Kapelle St. Peter und Paul im Stadtteil Bergsteig für ihre Gottesdienste, Versammlungen und Ausgabe von Unterstützungsleitungen an Bedürftige, Zugewanderte und Flüchtlinge genutzt.

 

Die Übergabe der Erlöserkirche an die Kirchengemeinde erfolgte durch den Architekten, Regierungsbaumeister Gustav Gsaenger aus München. Dieser war, wohl auch auf Wunsch des damaligen Stadtpfarrers Oscar Grosch an der Paulanerkirche, durch „das Vertrauen des Landeskirchenamtes mit dem Kirchbau beauftragt worden“. Im Werkverzeichnis der kirchlichen Bauten von Gustav Gsaenger steht unter

Nr. 41 (von 43) nur: Amberg-Süd. Dass sich hinter dieser namenlosen Bezeichnung sein vorletzter Neubau einer evangelischen Kirche verbirgt, ist vielleicht auch für die Erlöserkirche symbolisch: sie ist wenig über die Gemeinde hinaus bekannt.

 

Dabei kennzeichnet sie eine architektonische Besonderheit. Sie ist einer der wenigen Bauten, bei dem alle drei Häuser unter einem Dach gebaut ist: Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus.

Dafür griff Gsaenger auf einen in der Region unbekannten Baustil zurück: einen einschiffigen Bau nach Art der angelsächsischen Steinkirchen. Der Schwere des regionalen Baumaterials Granit trotzt eine gewisse Leichtigkeit in der Anschauung, was besonders im großzügigen, fast italienisch anmutenden „offenen“ Zugang zu Kirche und Gemeindehaus seinen Ausdruck findet. Davor ein freier Platz, gepflastert mit kleinen Granitwürfeln, wie er oft in Italien zu finden ist.

 

Im Kirchenschiff zeigt die offene Dachkonstruktion die Größe und Erhabenheit des Raums.

 

Besonderns eindrücklich ist das große Fensterbild über dem Altar, das den auferstandenen Erlöser zeigt.

Es gibt dem fast schmucklosen Raum eine besondere Ein- bzw. Ausstrahlung.

 

Sehr schlicht gestaltet ist die komplette Inneneinrichtung mit einer fast linearen Ausrichtung nach vorne zu Altar, Taufbecken und Kanzel. Alle drei Stätten sind aus demselben Material gefertigt. Damit wird deren innere Einheit auch äußerlich zum Ausdruck gebracht: Die Einheit von Wort Gottes und den Sakramenten. Zum Glauben kommen, im Glauben hören, für einen lebendigen Glauben gestärkt werden, das geschieht auf einer Ebene, der Horizontalen. Diese Horizontale ist durchbrochen von dem Altarkreuz, gestaltet von Angela Gsaenger, mit dem Bild des Erlöserchristus.

 

So bildet diese Christusvertikale mit der Horizontalen der Glaubensstätten auch wieder ein Kreuz. Unter diesem Kreuz sammelt sich die Gemeinde. Wort, Taufe und Abendmahl, daraus lebt sie und verbindet sie mit der Gemeinschaft der weltweiten Kirche.

 

Diese Gemeinschaft wird im Äußeren zum Ausdruck gebracht durch einen Block an Bänken, ohne Mittelgang. Gemeinschaft der Heiligen in der Einheit des Glaubens, so bekennt es die Gemeinde an jedem Feiertag.

 

Von der oben benannten klaren linearen Ausrichtung weicht nur die Brüstung der Empore mit ihrer durchbrochenen Front ab. Dies ist stimmig zu den lichtdurchlässigen Elementen, die wie Fenster zum Himmel den Raum öffnen.

 

Die Verbindung nach oben stellt auch der angebaute Turm dar. Hoch ragt er auf und war in der ersten Zeit ein unübersehbarer „Finger Gottes“.

 

Vier Glocken rufen zur Erlöserkirche oder geben den Stundenschlag an. Alle Glocken tragen Inschriften. Die große Glocke (111 cm Durchmesser) „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt“, die nächste (96,5 cm) „Betet ohne Unterlass“, die nächste (87 cm) „Ich habe Dich erlöst“ und die kleine Glocke (78 cm) „Erlöse uns von dem Übel“. Aus Schutz vor einer Einschmelzung in Kriegszeiten wurden Stahlglocken angeschafft, deren Klang weit ins die Stadt hinschallt.

 

(Quelle:www.glockenklaenge.de)

 

Erstaunlich ist, dass Gsaengers erster und letzter Kirchenneubau in der Oberpfalz direkte Nachbarn sind: die Dreifaltigkeitskirche und die Erlöserkirche. Allein das ermutigt zu einer besonderen nachbarschaftlichen Verbindung.

 

Eine weitere Besonderheit ist bei den Nachforschungen zur Geschichte der Erlöserkirche entdeckt worden. Zu manchen Kirchen gibt es einen “Zwilling“, d.h., dass es sehr vergleichbare Baukörper und Einrichtungen in zwei Kirchen gibt, die durchaus sehr weit voneinander gebaut wurden. Dies gibt es z.B. bei der Friedenskirche in Eichenau und der Reformationsgedächtniskirche in München. Der/die „Zwilling“ unserer Erlöserkirche ist wohl die Erlöserkirche in Dingolfing.

Die Größe der Kirche ist begründet darin, dass sie Standortkirche ist für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr und ihre Familien, die in der Leopold- und der Schweppermannkaserne stationiert sind.

Von den Soldatinnen und Soldaten wurden die Abendmahlsgeräte gestiftet, vom Militärbischof die Altarbibel. Beide Stiftungen sind bis heute in Gebrauch.

 

Viele Menschen in Amberg kennen die Erlöserkirche (noch) nicht. Und wohl noch mehr wissen nicht, welchen Schatz die Amberger und insbesondere die Evangelischen in Amberg mit dieser Kirche haben.

 

Sie ist während der Schulzeiten von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet.

 

 

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